29 Jun

Neophyten

Neophyten

Neophyt bedeutet eigentlich „Neue Pflanze“ und meint all jene Pflanzen, welche seit der Entdeckung Amerikas (1492) und mit dem damit zunehmenden Welthandel absichtlich oder versehentlich in die Schweiz gelangt sind.
Eigentlich verbreiteten sich Pflanzen aber schon immer mit den Menschen. Unser Apfel stammt z.B. ursprünglich aus China und die Römer brachten die Reben und die Kastanie nach Nordeuropa.

Seither haben sich rund 550 Arten in der Schweiz angesiedelt und haben sich gut in die einheimische Flora integriert.
Neophyten im eigentlichen Sinne sind z.B. auch Kulturpflanzen wie Kartoffel, Tomate, Tabak und auch die Rosskastanie.

Einige wenige der neuen Pflanzen verhalten sich aber invasiv, d.h. sie breiten sich stark aus und verdrängen einheimische Pflanzen. Sie haben ein schnelles Wachstum und eine erstaunliche Regenerationsfähigkeit, verändern damit den Lebensraum und nehmen somit einheimischen Pflanzen Platz und Licht.

Sie verbreiten sich auf Brachen und Böschungen von Autobahnen, Bahndämmen, Schutthalden, Deponien, Waldrändern und Bachufern.

Zur Zeit gelten in der Schweiz 41 Arten als schädliche Neophyten.

Darunter befinden sich gesundheitsgefärdende Pflanzen wie:
Ambrosia: blühen von Juli bis Oktober und bereiten empfindlichen Menschen starke Asthmaanfälle
Riesenbärenklau: führt bei Kontakten mit der Pflanze zu Hautentzündungen, welche narbig abheilen.
Die meisten Teile des Essigbaum und des Kirschlorbeers sind mehr oder weniger stark giftig

Auch die Infrastruktur leidet unter gewissen Neophyten:
Japanknöterich: wächst aus kleinsten Ritzen, sprengt Mauern und gefährdet Flussuferverbauungen
Götterbaum: wächst durch Asphalt und schädigt so Strassen und andere Infrastruktur

Weit verbreitet waren früher in den Familiengärten die folgenden Pflanzen:
Kanadische oder spätblühende Goldrute: in dichten Beständen verdrängen sie alle lichtliebenden Pflanzen und breiten sich durch Wurzelsprosse und bis zu 12’000 Samen pro Stängel rasend schnell aus.
Sommerflieder: Blüht von Juli bis September und lockt durch seinen Nektar Schmetterlinge und Insekten an. Der Sommerflieder ist aber für die Raupen vieler Schmetterlinge keine geeignete Futterpflanze. Deshalb wirkt er sich negativ auf die Schmetterlingspopulation aus. Mit bis zu 3 Mio Samen pro Strauch ist sein Verbreitungspotential auch ganz enorm.

Deshalb sind invasive Neophyten in den Familiengärten unerwünscht.
Sollten welche auftauchen, so sind sie zu entfernen und in einem Kehrichtsack zu entsorgen. Sie sollten nicht kompostiert werden.
Damit können wir alle einen kleinen Beitrag leisten und dafür sorgen, dass wenigstens aus unseren Gärten keine Weiterverbreitung stattfinden kann.